Glut (E-Book)

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Mit seinem Faible für Menschen am Rand der Gesellschaft legt der türkische Kultautor Murat Uyurkulak mit seinem zweiten Roman eine mit magischen und fantastischen Elementen durchsetzte ironische, traumatische und zugleich sozialkritische Allegorie auf die Türkei vor.


Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe
Deutsche Erstausgabe
ca. 285 Seiten
Dateiformate: ePub
ISBN 978-3943562217
Originaltitel: Har

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Lieferzeit: Download
Art.-Nr.: 978-3943562217. Kategorie: . Stichwort: .

In Ominösien, einem Land irgendwo im Osten, herrscht Bürgerkrieg. „Muster“ ist als schräger Vogel und Taugenichts verschrien, doch als sein allseits beliebter kleiner Bruder fällt, stellt er sich dem Ernst des Lebens und lässt sich zum Wehrdienst einziehen. Dass die höheren Sphären den Bruder als Prophetenkandidat ausersehen hatten und in arge Bedrängnis kommen, als dieser fällt, dass nun er als Ersatz herhalten muss, um den Engeln nicht den Job zu rauben, ahnt er nicht. Mit Kumpel „Dreizehn“ desertiert er bald mitten im Gefecht, fällt aber den Rebellen in die Hände, die beide monatelang arretieren. Kurz bevor das Dahinvegetieren ihnen den letzten Lebensmut raubt, kommt der „Jünger“ um, der Kandidat aber endlich frei, allerdings stark traumatisiert. Wieder sorgen die Engel für Ersatz.

Alles scheint ein gutes Ende zu nehmen, als Muster, der neue Dreizehn und der gescheiterte Filmemacher Fünfunddreißig im Großen Kino eine schräge Gesellschaft versammeln, um die Druckerei im Haus wieder in Gang zu setzen. Als sie sich auf Raubdrucke und Falschgeld verlegen, brummt das Geschäft. Das erste eigene Werk erschüttert das Land: Die Schrägen erzählen ihre eigenen Geschichten – ein Panorama der Traumata der Gesellschaft. Die Ereignisse überstürzen sich, die Dimensionen geraten ins Wanken und im Kino wird es höllenheiß…

Pressestimmen

Murat Uyurkulaks zweiter Roman nach seinem fulminanten Debüt „Zorn“ (2002) ist eine bitterböse Satire auf die Verhältnisse in der Türkei einerseits und auf die Absurditäten religiösen Wahns andererseits. Hemmungs- und respektlos lässt er die Welt in Fetzen gehen und schafft es ganz spielerisch nebenbei noch, den Literatur- und Kulturbetrieb aufs Korn zu nehmen.
fixpoetry, Gerrit Wustmann

Auszug

»Vor dem Tod meines Bruders unterschied sich unsere Kernfamilie, an der wir knabberten auf Spaziergängen in Parks, in nichtsvon anderen derselben Sorte. Einem Riegel Dosenkäse gleich, meinten wir wohl, bleich, löchrig und hohl, auch mit Eigenschaften über die Käsekategorie hinaus, kreuchte unsere gesamte Familie dahin: Vater, Mutter, ich, mein Bruder, der kleine … Ein einstimmiges, trauriges Quartett gegen das Weltengegreine … Unser Vater, ein pensionierter Beamter, der einem weichen weißen Kissen ähnelte, als seine Linien Kurven gewannen und seine wuchernde Körperbehaarung ergraute, die er für den Beweis hielt, einst stolzgeblähtem Prophetengeblüt entsprungen zu sein, und der bei sämtlichen schla! en Bekannten, die den Weg zu uns nach Hause fanden, eine Art Schlafzustand auslöste, hatte das größte Vergnügen daran, in Kaffeehäusern bei Herzen mit Pikdame zu stechen. Er liebte es, die schwarzen Trümpfe seines Blattes mit sonderbarem Röcheln auf den Tisch zu knallen und damit die anderen drei Ergrauten des Quartetts zur Weißglut zu bringen. Ein Kringel wurmstichiger Knoblauchwurst führte dazu, dass wir von einem weiteren seiner umwerfenden Vergnügen erfuhren: die dunklen Glieder kerniger Pikdamen an Supermarktkassen zu begrapschen.«

Leseprobe

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