Der Fall Ibrahim

19,80 €

gaye-boralioglu-der-fall-ibrahim-mechul-front
gaye-boralioglu-der-fall-ibrahim-mechul-cover

Der Fall Ibrahim

19,80 €

von Gaye Boralıoğlu

Am vierzehnten November, der Mond war gerade zur Sichel geworden, brach im Zeitungsgebäude ein großes Feuer aus. Da sich bei Ausbruch des Brandes außer dem Nachtwächter keine anderen Leute im Gebäude aufhielten, verlor niemand sein Leben, doch alles war zu Asche geworden. Dem Wächter war es lediglich gelungen, einen einzigen kleinen Aktenschrank aus dem Archiv zu retten. In dessen unterster Schublade wurde ein Dossier mit der Beschriftung »Der Fall Ibrahim« und in diesem Dossier die folgenden Reportagen und Fotografien gefunden.

Erscheint Ende April, Vorbestellungen werden zum Erscheinungstermin ausgeliefert.

Aus dem Türkischen von
Wolfgang Riemann
Mit 24 Schwarz-Weiß-Fotografien von
Manuel Çıtak
ca. 250 Seiten
Hardcover
Originaltitel: Meçhul
ISBN: 978-3-943562-613

 

19,80 €
Enthält 7% MwSt.
Kostenloser Versand
Lieferzeit: Derzeit nicht lieferbar
Art.-Nr.: 978-3-943562-613. Kategorien: , . Stichwort: .

Ibrahim ist spurlos verschwunden. Eine Journalistin und ein Pressefotograf begeben sich auf die Suche nach dem jungen Mann – sie verfolgen seinen Weg vom Heimatdorf über Antalya und Izmir bis nach Istanbul. 24 Verwandte, Bekannte und Freunde Ibrahims werden von der Journalistin befragt und vom Fotografen abgelichtet: von der abergläubischen Mutter und dem vom Militärdienst ausgebrannten Bruder über die schlaflose Geliebte und den wahnsinnigen Haschischverkäufer bis hin zum skrupellosen Chef und dem geschwätzigen Badediener. Jeder kommt zu Wort und bietet einen ganz eigenen Blick auf den jungen Mann. Stück für Stück setzt sich so ein facettenreiches Bild von Ibrahim zusammen – voll von Widersprüchen und gefärbt von den Emotionen der Erzählenden. Unschuldslamm und giftige Schlange zugleich, abhängig vom Befragten mit grünen oder schwarzen Augen gesegnet, gleichermaßen schmächtig, klein und schwach wie kräftig, groß und stattlich – Lüge und Wahrheit, richtig und falsch vermengen sich in den Schilderungen von Ibrahims Mitmenschen und überlagern einander.

Die Wahrheit – wenn es sie überhaupt gibt – bleibt verborgen: Die Recherche der Journalistin führt ins Nichts, ihre Ergebnisse werden nicht veröffentlicht. Was bleibt, ist ein 24 Reportagen und Fotografien umfassendes Dossier mit der Aufschrift »Der Fall Ibrahim«, das zwar keinen Aufschluss über den Vermissten gibt, dafür aber ganz nebenbei eine von paternalistischen Ideologien, Gewalt und Missbrauch geprägte Gesellschaft porträtiert.

Gaye Boralıoğlus vielstimmigem Text sind ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Fotografien des armenischen Fotografen Manuel Çıtak an die Seite gestellt.

Auszug aus dem Roman:

Am Morgen nach jener Nacht, in der sich zwei Vögel mit riesigen Flügeln vereinten und zwei hohe Türme in der Hauptstadt der Welt dem Erdboden gleich machten, in der sich Fatima aus Kandahar zum ersten Mal unter der Burka die Lippen schminkte und in der der Palästinenser Ziyad einen Schlag erhielt, vier Finger unterhalb der Leber, in jener Nacht, in der ein Zug entgleiste, der Picassos Bild »Die Vierohrigen« von Diyarbakır nach Kayseri hätte transportieren sollen, in derselben Nacht, als die letzte übrig gebliebene Olive auf Arafats Frühstücksteller just als er sie mit der Gabel aufspießen wollte, davon hüpfte und in einem Mauseloch verschwand, in jener Nacht, in der alle Mannequins im Lolita-Look in ihren Träumen die Haare voller Kakerlaken hatten, am Morgen nach jener Nacht verschwand Ibrahim.

Über die Autorin:

binooki-Gaye-BoraliogluGaye Boralıoğlu, 1963 in Istanbul geboren, studierte Philosophie und arbeitete lange Zeit als Journalistin, Werbetexterin und Drehbuchautorin. Unter dem Titel »Hepsi Hikâye« erschien 2001 ihr erster Erzählband gefolgt von ihrem Romandebüt »Meçhul« (2004). Für ihren 2009 veröffentlichten Roman »Aksak Ritim« wurde sie mit dem Literaturpreis Notre Dame de Sion ausgezeichnet, 2013 erschien das Werk unter dem Titel »Der hinkende Rhythmus« im binooki Verlag auf Deutsch. Für den Band »Mübarek Kadınlar« erhielt sie 2015 den Yunus Nadi Preis für Kurzgeschichten, der Band erschien auf Deutsch unter dem Titel »Die Frauen von Istanbul« (Größenwahn Verlag, 2015).

Bewertungen

Es gibt noch keine Bewertungen.

gaye-boralioglu-der-fall-ibrahim-mechul-front

Schreibe die erste Bewertung “Der Fall Ibrahim”

Nie mehr was verpassen?

Du willst von unseren Neuerscheinungen vor allen anderen erfahren und immer auf dem Laufenden bleiben? Dann abonniere unseren Newsletter.
E-Mail