#şiirheryerde – Das Gedicht ist überall

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Die Gesellschaft in der Türkei befindet sich ein einem rasenden Wandel mit einem Ausgang, der bislang unklar ist. Offene Kritik an der Regierung wird nicht geduldet und mit teils hanebüchenen Anschuldigungen geahndet. Doch die Menschen lassen sich davon nicht mundtot machen, schon gar nicht in der Türkei. Die friedlich-kreativen Formen des Protests im Zusammenhang mit den Gezi-Demonstrationen haben weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Immer wieder erfanden die Menschen in der Türkei neue Formen, ihren Wunsch nach Veränderungen für eine liberale und freie Gesellschaft auszudrücken. Diffamierende Aussagen von Regierungsangehörigen wurden mit immer neuen Wortspielen zu einer Sprache der Freiheit. Drastische Aufnahmen von niedergeschlagenen Demonstranten wurden in stilisierten Grafiken zu visuellen Symbolen der Mahnung. Neben den bis heute nicht endenden Demonstrationen war es immer auch der stille Protest der Menschen, der auf die Missstände in der Türkei hingewiesen hat.

Seit geraumer Zeit findet nun eine neue Form dieses Protestes im öffentlichen Raum statt, die statt auf plakative Durchhalteparolen auf die Feinsinnigkeit und nachhaltige Wirkung von Poesie setzt. Mit Stiften, Kreide oder Farbe schreiben die Menschen Gedichte auf Hauswände, Schaufenster, Straßenbelag, Geldscheine und anderem. Es gibt scheinbar keine Grenze, sogar auf herabfallendes Laub werden kleine Verse hinterlassen. Sie sind versteckt und vergänglich, nur ein kurzer, stiller Moment im Wahnsinn der Metropolen. Wären sie grafisch ausgefeilter, könnte man fast einen Banksy dahinter vermuten.

Was diese lyrischen Bruchstücke verbindet und zu einem Ganzen macht sind die Hashtags #şiirheryerde (“Das Gedicht ist überall”) und #şiirsokakta (“Das Gedicht ist auf der Straße”). Es sind keine wahllosen Gedichte, sondern Zitate bekannter türkischer Poeten oder die Gedanken der Menschen in eigenen Versen. Diese Bewegung reicht vereinzelt sogar bis nach Deutschland und das aktuelle Gedicht von Gerrit Wustmann zum Jahresende greift genau diese neue Welle der Lyrik auf. In diesem Sinne passt der Aufruf der Kollegen vom Verlagshaus J.Frank: POETISIERT EUCH! Es braucht eindeutig mehr Poesie auf den Straßen und in den Köpfen!

(Bildquelle: Titelbild der Facebook Seite von Verlagshaus J.Frank http://www.facebook.com/Verlagshaus)

(Bildquelle: Titelbild der Facebook Seite von Verlagshaus J.Frank http://www.facebook.com/Verlagshaus)

Zu empfehlen sind auch die Beiträge zu diesem Thema von Achim Wagner und Stan LaFleur.

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