Nachlese Pforzheim

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Vor ein paar Tagen erreichte uns die Nachricht von Philip Dogendorf, dass sein Bericht für die Schülerzeitung fertig sei. Und da erinnerten wir uns wieder: Als wir am 22.9.2015 im wunderbaren Kulturhaus Osterfeld in unserer Heimatstadt Pforzheim zu Gast waren, kam ein junger Mann auf uns zu mit Kamera und Fragen.

Wie jung und was schreibt er so?

Jung! Philip geht in die 10.Klasse des Hilda Gymnasiums in Pforzheim und hat folgendes über den Abend zu berichten:

Junge türkische Literatur in deutscher Sprache

Im Rahmen der interkulturellen Woche fand am 22.09.2015 im Kulturhaus Osterfeld eine Lesung des Binooki Verlags mit anschließender Podiumsdiskussion statt. Der Berliner Binooki Verlag wurde 2011 von den aus Pforzheim stammenden Schwestern Inci Bürhaniye und Selma Wels gegründet. Den Verlagsnamen “Binooki” leiteten die beiden Frauen übrigens aus dem Wort “binokel” (auch “Zwicker”; = bügellose Brille, die auf die Nase geklemmt wurde) und einem zusätzlichen “o” ab, damit das englische Wort “Book” als Logo hervorgehoben werden kann. Die Idee zur Verlagsgründung kam ihnen 2010 beim Besuch der Buchmesse in Istanbul mit der Motivation, die einzigartige Vielfalt der jungen türkischen Literatur auch nach Deutschland zu bringen. Insbesondere da türkische Literatur bis dahin in Deutschland sehr “stiefmütterlich” behandelt wurde. Inzwischen hat der Verlag sogar einige Preise gewonnen, da er sich »facettenreich und mit großer Lust an Entdeckungen der türkischen Literatur annimmt und dabei demonstriert, wie sich türkische und deutsche Literatur ganz ohne Klischees miteinander in Verbindung bringen lassen« (Zitat Begründung “Kurt-Wolff- Förderpreis”).

 

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Bild 1: Selma Wels, Reinhard Kölmel (Gesprächsleitung), Inci Bürhaniye

In der Lesung wurden vier Werke aus dem aktuellen Binooki-Verlagsprogramm vorgestellt:

Die Erzählung “Junge Verlierer” von Emrah Serbes handelt vom Erwachsenwerden junger Männer in der Türkei. Dabei werden aus dem Blickwinkel von pubertierenden Jungs die Schwierigkeiten geschildert, zwischen traditionellen Strukturen und eigenen Lebensentwürfen den Weg zu finden, aber auch von Gewalt in den Familien und der ersten Liebe. Die Geschichten sind feinsinnig beobachtet, oft komisch, überraschend ernst und anrührend zugleich.

Fast eine Geschichte” von Metin Eloglu begleitet die Hauptcharaktere durch eine längst vergangene Türkei von den 50ern bis in die 80er Jahre. Das Buch handelt von den Sehnsüchten nach Glück und einer besseren Zukunft seiner Hauptpersonen. Wobei der Autor mit seinen ehrlichen und melancholischen Beobachtungen nicht bis ans Ende folgt sondern vorher abbricht – fast eine Geschichte eben.

Die Krimi-Komödie “Söhne und siechende Seelen” von Alper Canigüz handelt von einem verblüffend klugen und weit entwickelten fünfjährigen Jungen, der niemals erwachsen werden will. Als er eines Tages die Leiche des pensionierten Polizeidirektors entdeckt, übernimmt er die Ermittlung und löst sogar den Mordfall. Mit tiefgründigem Witz und schwarzem Humor erteilt der Autor nebenbei Seitenhiebe auf die türkische Gesellschaft.

In “GEZI – Eine literarische Anthologie” geben 19 türkische Autorinnen und Autoren ungewohnte Ein- und Ausblicke zur türkischen Protest und Demokratie-Bewegung GEZI. Im Mai 2013 entstand diese Bewegung ausgehend von den Beschützern des gleichnamigen Parks in Istanbul, der einem neuen Einkaufszentrum weichen sollte. Die Anfangs kleine Gruppe von Umweltschützern entwickelte sich zu einer breiten Bewegung wie sie die Türkei bislang noch nicht erlebt hatte.

In der anschließenden Diskussion wurden einige Fragen zu den Büchern beantwortet, aber auch das aktuelle Flüchtlingsthema in Deutschland angesprochen. Mich hat an diesem Abend besonders die Geschichtensammlung zur GEZI-Bewegung beindruckt. Hier erfährt der Leser weitere Hintergründe und viele Eindrücke zur Protestbewegung, jenseits unserer Nachrichtenberichterstattung. Besonders da viele Autoren während der Proteste selbst vor Ort waren.

Aufgrund der Auswahl der vorgestellten Werke ist es gelungen, eine interessante literarische Brücke von der Türkei nach Deutschland zu errichten, getreu dem Motto der Veranstaltung “Pforzheim – Berlin – Istanbul und zurück”.

Und so sieht Philip aus:

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Lieber Philip, wir bedanken uns sehr herzlich bei dir, dass du am 22.9.2015 dabei warst und wünschen Dir alles Gute für deine weitere Zukunft!

Inci und Selma

 

 

 

 

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