Literatur Jetzt! – Die Nacht der unabhängigen Verlage in Dresden

Vom 17.10. bis 21.10.2012 fand in Dresden das Festival Literatur Jetzt! statt. Die beiden Veranstalter Leif Greinus und Helge Pfannenschmidt haben uns als jungen, aufstrebenden Verlag dazu eingeladen bei der „Nacht der unabhängigen Verlage“ an einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Independents teilzunehmen. So fuhr ich also Samstag Mittag nach Dresden und fühlte mich geehrt, als Jungverlegerin mit erfahrenen Verlagsmenschen wie Axel von Ernst (Lilienfeld Verlag), Leif Greinus (Voland & Quist), Helge Pfannenschmidt (edition Azur) und Ingo Rüdiger (Ventil Verlag) über Verlage, Unabhängigkeit und Visionen zu sprechen.

In einem beeindruckenden Ambiente des Kulturvereins Geh8, einer ehemaligen Wartungshalle der Deutschen Bahn, fanden sich knapp 100 literaturinteressierte Zuhörer zusammen. Leif Greinus und Helge Pfannenschmidt moderierten souverän durch die Podiumsdiskussion und befragten die Verlegerin und Verleger zu verschiedenen Themen aus der täglichen Arbeit. Einleitend stellte sich jeder Verlag kurz vor und man sah schnell, wie unterschiedlich die Breite der Progammschwerpunkte bei unabhängigen Verlagen sein kann: Der vom Post-Punk geprägte Ventil-Verlag, der Lilienfeld Verlag, der fast vergessene Perlen der Literatur neu auflegt, die lyrisch ausgerichtete edition Azur, Voland und Quist mit moderner Belletristik und binooki mit Autoren, die ausschließlich aus der Türkei stammen.

Mit viel Leidenschaft und Herzblut

Die täglichen Herausforderungen und der Kampf ums Überleben schilderten im Grunde alle Verleger sehr ähnlich. Es ist eindeutig mehr eine Passion, als das Ziel damit reich zu werden. Auf die provokante Frage von Leif, ob man sich vorstellen könne, den eigenen Verlag zugunsten einer Imprint Version an große Verlagshäuser zu verkaufen, antwortete Axel von Ernst mit einem Augenzwinkern: „Ja, auf jeden Fall. Und dann würde ich einen neuen Verlag gründen.“

Um die Leser zu erreichen und für die eigenen Bücher zu begeistern, setzten die Verlage jedoch auf unterschiedliche Wege. Lesungen mit den Autoren sind nach wie vor ein sehr probates Mittel bei allen, aber interessanterweise bleiben die meisten Maßnahmen eher im klassischen Verlagshabitus. Social Media und der digitale Dialog mit den Lesern ist überwiegend noch eher ungebräuchlich. Dort setzt man doch eher auf die persönliche Begegnung, ebenso wie die Kontaktpflege mit lokalen Buchhändlern.

Digitalien ist eher noch ein unbestelltes Land

Bezeichnend war auch die Meinung zu eBooks der anderen Verlage, die durchaus erstaunt waren, dass Voland & Quist und binooki bereits fast alle Bücher aus dem Programm auch als digitale Version auf dem Markt gebracht haben. Es schien den wenigsten ein wirklicher Mehrwert zu sein und in Anbetracht der geringen Marktanteile auch kaum relevant. Ingo Rüdiger sagte auch, dass in seiner Leserschaft, dieses Medium nicht akzeptiert wäre. Doch war auch zu erkennen, dass der Aufwand für die Produktion der eBooks von den meisten deutlich überschätzt wurde. Es wirkte ein wenig so, als hätte sich mancher mit dieser Materie noch nicht wirklich auseinander gesetzt, was grundsätzlich ja auch neue Potentiale und Absatzwege ermöglicht.

Abschließend fanden vier Lesungen der Autoren Jan Off (Hamburg; Ventil-Verlag), Felicia Zeller (Berlin; Lilienfeld), Norbert Lange (Berlin; luxbooks) und Nancy Hünger (Erfurt; edition AZUR) statt, die den gelungenen literarischen Abend abrundeten.

Parallel am 20.10.2012 lauschten in Essen auf der Buchmesse Ruhr 130 begeisterte Zuschauer gespannt, wie Recai Hallaç und Gemma Pallarés ihre szenische Lesung „Geschichtenerzähler der Eisenbahn – Ein Traum“ von Oğuz Atay präsentierten.

Der Oktober war dieses Jahr wirklich sehr bewegt und bewegend und durchaus ereignisreich. Mal schauen, was der November so bereit hält.

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2 thoughts on “Literatur Jetzt! – Die Nacht der unabhängigen Verlage in Dresden

  1. Das hört sich ja spannend an. Zur gleichen Zeit fand vom 18. bis 21. Oktober in Karlsruhe das 2. Bücherbüffet statt. Eine Netzwerk- und Verkaufsmesse für Kleinverlage, Kleinverleger und Buchschaffende wie Illustratoren und Lektoren. Dort ging es in der Podiumsdiskussion darum, vor welchen Herausforderungen Kleinverlage stehen. Lustig: auch das Bücherbüffet findet in einer ehemaligen Industriehalle statt auf dem Alten Schlachthofgelände, das zum Kreativpark entwickelt wird. Vielleicht überschneiden sich nächstes Jahr die Termine nicht, dann können wir uns gegenseitig besuchen! (Jede Menge Fotos vom Bücherbüffet in der Fleischmarkthalle gibt es übrigens auf der Bücherbüffet Facebookseite). Dem binooki Verlag weiterhin alles Gute – auch im November und den folgenden Monaten!

    • Hallo Jutta,
      das klingt in der Tat ähnlich und interessant. Wir nehmen das gern für die Planung in 2013 auf. Vielen Dank für den Tipp und deine motivierenden Worte. Wir wünschen dir auch ein erfolgreiches Restjahr!

      Viele Grüße
      Selma

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