Lieblingswörter

Eigentlich wollte ich etwas über den Ursprung der türkischen Sprache und deren Werdegang berichten. Das ist aber bei wikipedia u.a. ähnlichen Seiten gut selbst nachzulesen. Auch die sprachliche Entwicklung wird im Netz viel diskutiert:

Es gibt Ausführungen zu den aus der arabischen und persischen Sprache stammenden Wörtern, Erläuterungen zur Einführung der lateinischen Schrift und der Vorliebe Atatürks zu den ü’s und ö’s, um die türkische Sprache den westlichen Sprachen anzupassen und von den östlichen Sprachen zu unterscheiden. Nach alledem entschied ich, meine Ausführungen auf meine türkischen Lieblingswörter zu reduzieren.

Ich hatte schon über den Begriff „keyif“ in einem vorherigen Beitrag berichtet. Ein weiteres Lieblingswort ist „yakamoz“. Schon den Anblick des Wortes finde ich sehr schön. Aber erst die Bedeutung – das Widerspiegeln des Mondes im Wasser – kann erklären, weshalb die türkische Sprache so liebenswert für mich ist: Besondere Momente, wunderschöne Anblicke und tiefgehende Emotionen müssen nicht erst umständlich mit sechs Wörtern widergegeben werden, schon ein Wort genügt und alle spüren diejenige Empfindung nach, die dieses einzige Wort auslöst. So ist es nicht verwunderlich, dass das Wort „yakamoz“ in 2005 beim Wettbewerb „ABC der schönsten Wörter“ den 1. Platz belegt und zum schönsten Wort der Welt erkoren wurde.

Zur Reihe meiner Lieblingswörter gehört auch das Wort: tantuni. Ich finde es klingt lustig, auch wenn die Bedeutung weniger lustig ist. Es stammt aus dem Arabischen und bedeutet so viel wie „Gemetzel“. In der Türkei bezeichnet es ein aus der Stadt Mersin stammendes Gericht, bei dem kleingeschnetzeltes Fleisch angebraten und in einen Dürüm (ein zusammengerollter Brotteig; gibt es ein deutsches Wort dafür ?) gewickelt gegessen wird. Gut gewürzt schmeckt das „gemetzelte“ Fleisch fantastisch und in Berlin gibt es sogar einen sehr guten Tantuni–Imbiss.

Oder das ebenfalls wunderschön aussehende und klingende Wort: Leblebi ! Es ist die Bezeichnung für ohne Fett geröstete Kichererbsen, die in der Türkei ein beliebter Snack sind. „Leblebi“ ist sogar der Titel eines im Yitik Ülke Yayinlari neu erschienen Debütromans des Autors Deniz Basibüyük.

Aber am liebsten mag ich natürlich die Wörter mit den vielen ü’s, von denen Kai Strittmatter bereits amüsant in der Süddeutschen Zeitung am 6.1.2006 berichtete.

Nicht zuletzt deshalb, weil sich in meinem Nachnamen auch ein ü befindet liebe ich die ü-Wörter. Dieser ist aber nicht etwa den Anpassungswünschen Atatürks an den Westen entsprungen, sondern dem Schreibfehler eines deutschen Beamten, der bei der Ausstellung der Geburtsurkunde ein Strich über das u setzte.

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