Leipziger Buchmesse – Mission Unterwanderung des Abendlandes 2015

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Vorbereitungen, Vorfreude und allerlei Hindernisse

Endlich! Endlich wieder Leipziger Buchmesse. Ich hatte mich wirklich drauf gefreut mit dem binooki Stand in Leipzig zu sein. Leider waren vorher erst einmal einige Hindernisse zu überwinden. Zunächst stand es bereits vor der Messe etwas bescheiden um die Gesundheit unseres Messe-Teams. Eigentlich waren zwischendurch alle mal krank oder teilweise körperlich eingeschränkt.

Dennoch meisterten wir voller Tatendrang und ehrlicher Vorfreude die Vorbereitungen und warteten nur noch auf die Bücher, die … drei Tage vor der Messe NICHT kamen! weil sie – Oh Schreck! – an die falsche Adresse geliefert wurden. Nach einem kurzen Anflug von Panik und einer Bücher-Taxifahrt durch Kreuzberg und Schöneberg kamen dann endlich einen Tag vor der Abreise die Kisten mit den Büchern an. Und da gab es endlich gleich 3 Mal Grund zur Freude. Alle drei Neuerscheinungen glänzten durch ihr äußeres Erscheinungsbild und waren eine schiere Augenweide! (Sind es immer noch!!)

Kurzum, die letzten Kisten wurden gepackt und man traf sich ausgeschlafen und fit im Büro, um mit dem Auto gen Leipzig zu düsen. Nach einer kurzweiligen Fahrt dank unterhaltsamer Verlegerin und einer Tüte Fred Ferkel, trotz fehlendem Autoradio, einem Fast-Unfall an dem wir nicht Schuld gewesen wären und einer Lektion in „Wie puste ich meine Autoreifen auf“, (danke Selma!), waren wir mir-nichts-dir-nichts in der Messeallee 1 angekommen und wurden von einem freundlichen Sachsen standesgemäß begrüßt.

Fröhlich und mit dem Trolli (von so manchem Standbetreuer auch liebevoll Olli genannt) vor der Nase machten wir uns also auf den Weg von Messe Eingang 5.4. zum Stand D206. Dort angekommen, guckte uns ein wunderschönes Cover von „Fragmente” entgegen, leider verkehrt herum auf der einen Seite.

Wir, also übelst ausgeflippt, den Stand auseinandergerupft, die Verantwortlichen zur Schnecke gemacht und später im Hotelzimmer Randale gemacht! In einem anderen Leben wäre die wunderbare Verlegerin wohl einfach auf die Firma zu gegangen und hätte den Fall souverän und ohne viel Aufsehen geklärt, sodass am Ende (fast) pünktlich zum Messebeginn das Cover richtig herum beeindruckt hätte.

1. Messetag: Donnerstag

Juhuu endlich war es Donnerstag und die Messe begann pünktlich um 10 (eindeutig die bessere Zeit, Wink mit dem Zaunpfahl an FBM). Besonders nett an unserem Standort auf der Messe waren gleich mehrere Sachen. 1. Nachbarn sind ja immer so eine Sachen, man kann sehr Pech oder sehr Glück mit ihnen haben und wir hatten sehr viel Glück, hatten wir doch die lieben Verbrecher neben uns, wirklich eine Freude! Nachbarschaftlichen Schnack und gute Tipps inklusive sowie unangemeldete Besuche, was für eine gute Nachbarschaft! Vielen Dank liebe Verbrecher!

Schon am Donnerstag durften wir außerdem unseren Autor Barış Uygur mit seiner Frau begrüßen, die extra für die Messe aus Istanbul (?) angeflogen waren. Auf der Veranstaltung „Die Wiederentdeckung der Stimme“, war unser Autor von „Höllenhof“ dann als Teilnehmer gefragt und die Selma als Übersetzerin tätig, woran im Anschluss noch ein Interview mit der sehr netten Anne Balzer folgte. Ansonsten war der Donnerstag gespickt mit vielen netten, klugen und interessanten Gesprächen an unserem Stand mit Kollegen und Interessierten, die alle aufzuzählen aber unmöglich ist (vor allem für einen blutigen Aussteller-Anfänger wie mich). Zu danken sei aber auf jeden Fall der taz, die mit ihrem guten Kaffee unsere Herzen freudig schlugen ließ und unsere Synapsen am Laufen hielt. Das Anstellen lohnt sich immer!

2. Messetag: Freitag

Freitag war der Tag an dem wir zwei Verstärkung aus Berlin (durch Kai und Stefan) und Hamburg (durch Rainer) bekamen! Drei großartige Standbetreuer kamen somit hinzu! Voller als am Donnerstag war der Freitag nicht nur in der Halle sondern auch im binooki-Terminplan. Nach einem obligatorischen tazkaffee und einigen interessanten Gesprächen bei uns am Stand, wurde der Nachmittag mit der Veranstaltung „Vollmond über Gezi“ eingeleitet, bei der wieder Barış Uygur und Selma teilnahmen und einiges Spannendes über die Gezi Proteste erzählen konnten.

Für mich ein ganz besonders schöner Moment, da ich den Text von Barış Uygur besonders gerne mag und ich mich zurück in meine Erlebnisse während der Gezi-Proteste (bei denen ich in Izmir und Istanbul dabei war) erinnert fühlte. Das einzige nicht so schöne an dieser Veranstaltung waren die Schmerz ausdrückenden Blicke von Selma, die immer noch unter ihrem körperlichen Leiden litt und dennoch eine souveräne Übersetzung ablieferte und die, die es nicht wussten nicht merken ließ unter welchen Verspannungen sie litt. (Du tatst mir ganz schrecklich leid, liebe Selma!) Zum Glück kam dann im Laufe der Veranstaltung Selmas lieber Ehemann, Kai (von so manchem Standbetreuer auch „Kai der Große“ genannt) an und so hatte unsere Verlegerin die richtige moralische und seelische Stütze dabei.

Wie vorher verabredet kamen dann gleich im Anschluss zahlreiche Literatur-Blogger_Innen bei uns vorbei und hatten beim ersten #BookupDE auf einer Buchmesse (ein #BookUp ist die Erfindung von Stefanie Leo, bei dem ausdrücklich der Einsatz von Smartphones erwünscht ist und währenddessen wie wild geinstagrammt, getwittert und gefacebookt werden darf/soll) in einem persönlichen Gespräch mit Selma und Barış die Möglichkeit mehr über den Verlag und die Bücher zu erfahren.

Beeindruckend, wie gut unser lieber Autor Deutsch spricht! Da kam ich mir mit meinem popeligen Türkisch mit dem ich per Email zu ihm Kontakt hatte, ein wenig schäbig vor. Das Schäbigkeitsgefühl schnell überwunden, wurde der Messeabend dann mit einem Bier oder Wein bei den nachträglich geburtstagsfeiernden Kollegen von Voland & Quist beschlossen und hier glänzte wieder Kai der Große mit einem mehr als gekonnten Auftritt als Standdetektiv, der einem stehlenden Flegel das soeben entwendete Buch (es war passenderweise die schwarze Katze aus Secret Agency) vom binooki-Stand wieder abnahm und ganz cool ins Regal zurück stellte. Gut, dass er da war! Während wir andern drei unserem ersten Alkohol seit Beginn der Messe frönten, behielt einer die Lage im Blick.

Leider, leider, trotz festem Vornehmen schaffte es keiner von uns Luschen zur legendären Party der Jungen Verlage zu gehen. Teils aus gesundheitlichen Gründen gepaart mit Vernunft, teils aus Faulheit und Luschentum (leider ich) mit vorgeschobener Vernunft.

3. Messetag: Samstag

… es hatte doch sein Gutes, denn so erreichten wir alle ausgeschlafen, mit erholtem Anblick brillierend, gegen 10.00 morgens den Stand D206, im Gegensatz zu so manchem nachtaktiven Kolleg_innen, die etwas später, als die Schlange bei der taz schon wieder Kilometer lang war, ihren Stand besuchten. Jaja, wir waren wohl die schlimmsten Streber und Früh-ins-Bett-geher rund um die Leseinsel… Nächstes Jahr aber, da gehen wir ganz bestimmt hin zur Party und dann schwingen wir das Tanzbein, aber hallo!

An diesem Samstag wurde ich ein wenig ins Boxhorn gejagt von Selmas „erster Lektorin“ (du hast Recht liebe Selma, das klingt schon sehr gut!), die mich – getarnt als interessierte Leserin – mit messerscharfen Fragen nach den Besonderheiten von „Fragmente“ löcherte, bis ich – im Kopf schon längst bei „Lesen sie es halt einfach!“ angekommen – ihr verzweifelt versuchte meine ehrliche Begeisterung zu übertragen, und mich erst durch die Enttarnung durch Selma aus meiner verzwickten Lage und der Ahnung, dass es sich um keine übliche Leserin handelte, erlöste. Liebe Ulrike Gramman, ich hoffe ich habe nicht allzu viel Blödsinn geredet; und wenn dann liegt es daran, dass ich wirklich glaube, dass es ein Buch ist, dass durch seinen großartigen Text überzeugt und mich diese gezielten Fragen verunsicherten! Ich habe ihr aber dennoch sogleich großmütig verziehen.

Der Samstag war ansonsten ein mehr oder weniger typischer Messesamstag, mehr oder weniger voll, mit mal mehr oder weniger interessierten Standbesuchern und aber ganz gewiss mehr als weniger Spaß! Abgesehen von leckeren Crepes mit Nutella oder Apfelmus und Zimt und Zucker, tazkaffee, Buchverkauf und einem netten Treffen mit dem Literaturhaus Gießen waren wir die meiste Zeit am Stand und hatten keine außer Haus Termine. So kam es auch, dass ich einer Verbrecher Lesung beiwohnen konnte (Bodentiefe Fenster), alte Kollegen traf und wir mit ein bisschen Bücherverkauf über die wandelnde Messebuchhandlung (das Stichwort „hol mal Paul“ hörte man zum Glück für die Kasse immer mal wieder) den Samstag im Nu bestritten. Letzter Abend; wie immer früh und nüchtern ins Bett gegangen, da war nun auch der Sonntag nicht mehr weit.

4. Messetag: Sonntag

So schnell geht also eine Messe als Austeller rum. Die Mission Unterwanderung des Abendlandes war so gut wie abgeschlossen und erfolgreich gelaufen. Es war Sonntag, ich auf dem Weg zur Messe und schon etwas traurig, dass das ganze Rumstehen und Reden, Leute treffen und Kaffee trinken, Bücher verkaufen und anpreisen nun schon vorbei war. Dass es doch auch sehr anstrengend ist hatte ich schon fast vergessen, als ich auf meinem Weg zum Stand zum letzten Mal die geschäftigen Kolleg_innen beim Vorbereiten beobachtete und ein letztes Mal die lieben Standbetreuerkollegen begrüßte. Kaum hatten wir den ersten Cappuccino (natürlich von der taz) getrunken ging es auch schon für Selma und mich zum Stand der niedersächsischen Literaturhäuser, um die im Juni anstehende Emrah Serbes Tour (!) zu besprechen. Sehr nette Damen, die uns mit Kaffee und Keksen versorgten und auf die wir uns schon sehr freuen! Im Anschluss ging es zurück an den Stand, zurück zum Lieblingsstand an dem es wie auch Samstag schon bunt zu ging. Wir haben uns sehr gefreut über all die lieben Worte und das ehrliche Interesse sowie die interessanten Gespräche mit Kolleg_innen, und natürlich auch über die Buchkäufer_innen!

Alles in Allem war es eine sehr schöne Messe, Leipzig war zwar kalt aber schön (wie immer)! Dank unseren lieben Nachbarn rund um den Stand, den Olli, der die ganze Zeit im Golf auf uns warten musste, Rainer und seiner stets guten Laune, Stefan, der zusammen mit Rainer einen Verkaufsrekord aufstellte (ich weiß immer noch nicht wie sie das gemacht haben in den paar Stunden in denen Selma und ich weg waren) Kai (der Große – was soll man da noch sagen) und Selma, Verlegerin, Übersetzerin, Hauptperson am Stand und stets rührend um das Wohlergehen ihrer Standbetreuer bemüht (Danke für Hot-Dogs, Kaffee, Crepes und gemeinsame Toilettengänge, an persönliches Hab und Gut erinnern, gute Tipps für einen Aussteller-Neuling wie mich und sowieso!), habe ich die Zeit auf der Leipziger Buchmesse sehr genossen und trotz unserer etwas labilen Gesundheitssituation gut überstanden. Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte!

Leider hat uns Inci sehr gefehlt, die in der Türkei auf Achse war! Liebe Inci, wirklich schade, dass du nicht dabei warst!

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4 thoughts on “Leipziger Buchmesse – Mission Unterwanderung des Abendlandes 2015

  1. Hallo zusammen,

    ich hatte mir auch ganz fest vorgenommen mehr am Leipziger Nachtleben teilzunehmen, aber ich bin wohl genauso eine Lusche wie ihr. ;-) Nächstes Jahr dann aber ganz bestimmt! *hust*

    Vielen Dank für das tolle BookupDE und auch die Gespräche zwischendurch auf der Messe! Ich würde sagen, eure Mission ist geglückt.

    Liebe Grüße
    Janine

  2. Liebe Selma, der Bericht von Elisabeth über die Leipziger Tage ist toll. Lustig und sehr informativ. Von Euch (Kai und Dir) erfährt man leider nur “Fragmente”, aber dieser Bericht sagt alles. Grüße sie herzlich von mir.
    Christa

  3. Liebe Elisabeth,
    was bin ich froh, dass mir verziehen ist. Danke dafür und für diesen lebendigen Bericht. Und, zu meiner Ehrenrettung: Es steckte gar keine Heimtücke dahinter, ich wollte wirklich nur wissen, wie die “Fragmente” bei den Leserinnen ankommen. Denn man verliebt sich in den Gegenstand der Arbeit und fragt sich am Ende: War mein Blick noch kühl genug? Und werden die Anderen das Buch auch mögen?
    Herzlicher Gruß: Ulrike Gramann (Poliander)

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