5 Tage Frankfurter Buchmesse 2013

Für die Besucher der Frankfurter Buchmesse beginnt die Messe am Mittwoch und endet am Sonntag. Für die Aussteller nicht. Eigentlich gibt es weder einen Anfang, noch ein Ende. Aber dennoch gibt es einen Anreise- und einen Abreisetag. Ich beginne einen Tag vorher.

Der Tag vor dem Anreisetag:

Morgens um 9.00 Uhr haben Inci und ich uns auf den Weg gemacht, um bei Albert Concepts die neuen Schränke für die neue Eckstandgestaltung abzuholen. Kurz darauf war auch schon Johannes Albert bei uns im Büro, um die Weinkisten von A1 bis G6 zu nummerieren. Zum ersten Mal haben wir unseren Stand selbst aufgebaut und dementsprechend nervös waren wir. Kurze Zeit später sind auch schon die lieben Menschen von einem unserer Berliner Lieblingsverlage – der da heißt: Verlagshaus J.Frank – bei uns eingetroffen, um ihr Sofa und unsere Kisten poetisierend auf den Weg nach Frankfurt zu bringen.

Kurz darauf hatten wir Besuch von Anne Heaming, die uns wirklich ganz ausführlich für die taz interviewt hat.

taz_binooki_12.10.13

Foto von Frithjof Klepp, Inhaber der Buchhandlung ocelot in Berlin

Und kurz darauf stand ein ZDF Kamerateam im Verlag und stellte uns die Frage „Was lesen Migranten?“. Da sie zum Glück nur eine verkabeln konnten und mit Inci angefangen hatten, konnte ich da mal kurz Pause machen und eine Runde Minion Rush spielen.

ZDF_waslesenmigranten

Als wir dann zu Hause waren, war es 21 Uhr. Bis ich meine Sachen gepackt habe kurz vor 01.00 Uhr und 3 Stunden später klingelte auch schon wieder der Wecker.

Der Anreisetag:

Stand_binookiUm 5.30 Uhr die Wohnung verlassen, um 06.08 Uhr in den Zug gestiegen, fing der Anreisetag recht früh an. 5 Stunden später am Frankfurter Hauptbahnhof angekommen, mussten wir erst mal weiter nach Offenbach und unser Hotel suchen. Ja, jetzt weiß ich auch, dass Offenbach, die Jogginghosen-Version von Frankfurt ist. Man lernt halt jeden Tag dazu in diesem Leben. Um 14 Uhr trafen wir dann gemeinsam mit unseren Kisten und den J. Franks auf dem Messegelände ein, um die Spiele einzuläuten. Nach und nach kamen noch mehr Berliner Lieblinge hinzu wie der Verbrecher Verlag und der AvivA Verlag, die auch in direkter Nachbarschaft mit ihrer Freundlichkeit, Hilfbereitschaft und Herzlichkeit uns den Messealltag immer wieder verschönerten. Was aber fehlte in Gang C waren die Hamburger Lieblinge. Und ich sag das schon mal gleich: Ich will nie wieder  eine Messe ohne mairisch maximal 2 Stände weiter.

Gegen frühen Abend, nach etlichen Telefonaten mit der Messe und zwei Besuchen von dem Elektro-Mensch von der Messe waren wir dann endlich, teils fluchend, teils gut gelaunt, mit dem Aufbau fertig.

Tag 1, Mittwoch –  Norbert Lammert und die Vogue:

Blumen_InciIn der S-Bahn saßen wir zu dritt an diesem grauen Mittwoch Morgen: Selma, Inci und der Blumentopf. Der Offenbacher REWE hatte unverhofft die perfekte Stand-Deko parat. Und unser „Da-sieht-man-noch-das-Verlängerungskabel-in-der-Ecke-Shit!“-Problem war schon um kurz nach 08.00 Uhr gelöst.

esgehtumdasbuchAngekommen in Halle 4.1 / C26  ist immer ein besonderer Moment, wenn der Eröffnungs-Gong gongt. Kurz darauf stand auch schon unerwartet und unangekündigt der Bundestagspräsident Nobert Lammert vor uns und sagte so was wie „good job“. Nur nicht auf Englisch natürlich.

Das nächste große Ereignis war die Vorstellung des neuen Katalogs der Kurt-Wolff-Stiftung „Es geht um das Buch“. Zum ersten mal mit dabei: binooki. Freude groß. Immer noch.

Dann erreichte uns über unser Social Media Monitoring Tool folgende Nachricht: Dorothee Werner vom Börsenverein des deutschen Buchhandels lobt auf SAAL ZWEIbinooki als mutiges und innovatives Positiv-Beispiel für den Umbruch in der Buchbranche! Sozusagen wohooo und Danke!

VogueGanz rot werdend stand auch schon die nächste Überraschung vor der Tür, die uns kurz vor der Ende des 1. Messetages die liebe Katharina Thiel von Edition Nautilus bescherte, indem sie uns fragte: „Wie kommt man eigentlich in die Vogue?“. Da wir selbst nicht wussten, wie wir in eine Zeitschrift kommen, dessen Durchschnittsalter der darin abgelichteten Personen wir erheblich sprengen, konnten wir ihr diese Frage nicht beantworten. Auf der Rückfahrt nach Offenbach haben wir dann eine Vogue gefunden und uns tatsächlich überzeugen können, auch dort einen Platz gefunden zu haben.

(Notiz an mich selbst: Wir brauchen neue Presse-Fotos.)

Tag 2, Donnerstag – Gaye in da house:

Wir haben ja noch eine dritte Schwester (das war´s dann aber auch. Wirklich.), Çiğdem. Bisher hatte sie uns auf die Messen immer begleitet. Dieses Mal konnte sie leider nicht. Im Nachhinein merkt man doch sehr, welche Entlastung und Erleichterung ihre Anwesenheit mit sich gebracht hat. Spätestens am Donnerstag hatten wir da ein Problem. Unsere Autorin Gaye Boralıoğlu war im „Weltempfang“ eingeladen und eine von uns musste am Stand bleiben. Das Stöckchen ziehen hat uns Nils Tiemann erspart, der am Donnerstag Vormittag eigentlich nur mal kurz „Hallo“ sagen wollte. Als er unser Dilemma erkannte, bot er uns ganz selbstverständlich und großzügig an, uns am Stand zu vertreten. Jetzt fragt ihr euch: „Wer is´n das?“. Sag ich euch: Das ist dieser junge Mann, der an der FU Berlin Angewandte Literaturwissenschaften studiert und ein ganz tolles Gespräch mit uns vor der Buchmesse geführt hat, um dann diesen tollen und lesenswerten Beitrag über binooki für das/den (vom Gefühl her „den“, aber ich weiß, da gehen die Meinungen weit auseinander) Blog der Frankfurter Buchmesse zu schreiben. Wunderbar vertreten durch Nils und glücklich unsere liebe Gaye wiederzusehen, kamen wir nach einer Stunde wieder zurück in unser geliebtes 4.1. und mir fällt gerade auf, ich hab kein Foto von Nils gemacht. In Leipzig dann.

Gaye_WeltempfangUm 18 Uhr ging es dann auch schon weiter mit dem Virenschleuderpreis. Dieses Mal als „Ansteckendste Persönlickeit“ nominiert, habe ich nicht gewonnen. Macht nichts. Meine Glückwünsche gehen an alle 3 Gewinner in allen 3 Kategorien. Mein Dank geht an Leander Wattig, der dieses Ding alleine ganz schön gut wuppt und in so kurzer Zeit so gut etabliert hat – Respekt! Doch einen ganz klitzekleinen Hinweis muss ich noch loswerden an Wiebke Ludwig, die zusammen mit Leander die Veranstaltung moderiert hat: Ich weiß, es war ganz sicher die Aufregung und eigentlich wollte ich es auch sein lassen. Aber ich wäre nicht Selma Wels, sondern Selma Weis, wenn ich es sein ließe und die bin ich nicht. Will sagen: Ich würde mich wie ein Keks freuen, wenn du das nächste Mal, mich mit meinem richtigen Namen vorstellst.

Tag 3, Freitag – Free Emrah und die Liste ist HOT:

Würden unserem Autor Emrah Serbes nicht 12 Jahre Haft drohen, gäbe es zum Messefreitag eigentlich immer nur eine wichtige Meldung: Die Hotlist der unabhängigen Verlage und der Melusine-Huss-Preis.

EmrahSerbes_tazBevor wir aber zur HOTLIST kommen, möchte ich mich ganz ausdrücklich für das Interesse der Journalisten an dem Fall Emrah Serbes bedanken. So berichtete im Vorfeld nicht nur die Berliner Zeitung, die taz und die Buchbranchenpresse darüber, sondern Fatma Aydemir, Redakteurin bei der taz, kam am Freitag extra noch mal vorbei, um sich ein Statement von mir abzuholen und auch schon die FAZ berichtete über die Sultansbeleidigung. Vielen Dank an alle, die sich hierfür einsetzen! Wir wissen es manchmal gar nicht zu schätzen oder vergessen es einfach auch, wie gut es uns damit geht, dass wir hier sagen können, was wir denken!

Und nun das Erfreuliche: Wir gratulieren allen Titeln, die es geschafft haben, die zehn besten Bücher des Jahres 2013 zu sein und natürlich von Herzen den Gewinnern:  „Die Manon Lescaut von Turdej“ von Wsewolod Petrow aus dem Weidle Verlag und der  Edition Nautilus , die für den „Brief an die Auberginenrepublik“ von Abbas Khider den Melusine-Huss-Preis erhalten haben.

Ich finde, die 4731 Stimmen und die Jury haben eine sehr gute Entscheidung getroffen. Und ich finde auch, dass alle 10 Bücher, die auf es auf die Hotlist geschafft haben, unbedingt gelesen werden sollten. Natürlich auch alle binooki Bücher, aber das versteht sich ja von selbst.

Tag 4, Samstag – Das Publikum ist da, Kai auch

selmaundkai Lesung_Glut

Der erste Tag, an dem wir zu dritt auf der Messe waren, war der Samstag. Am Abend zuvor ist mein „Einstück“ (Exkurs: mein „Einstück“ ist die wörtliche Übersetzung des türkischen Ausdrucks „bir tanem“, sinngemäß: Mein Einziger, meine Einzige – „Einstück“ klingt aber irgendwie netter finde ich) Kai Wels aus Berlin angereist, um uns an den Publikumstagen ein wenig zu unterstützen. Dafür ein ganz großes Dankeschön! So wurden wir gut versorgt mit Nahrung, ausreichend Flüssigkeit und Pausen und saßen dann ganz fit mit Gerrit Wustmann auf der Jungen Leseinsel, um „Glut“ von Murat Uyurkulak vorzustellen.

An dieser Stelle möchte ich nicht nur Gerrit danken, der fantastisch gelesen hat (wie immer), sondern auch Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag, der die gesamte Organisation der Leseinsel auf sich genommen und wunderbar koordiniert hat. Unter Anbetracht der Tatsache, dass es sicherlich nicht ganz einfach ist einen Haufen Indies unter einen Hut zubringen, bin ich sehr dankbar dafür, dass jemand – also Jörg – diese Aufgabe auf sich genommen und so gut für uns alle gelöst hat.

Nach Tag 4 ist die Leipziger Buchmesse immer zu Ende. Die Frankfurter nicht. Unsere Kräfte aber schon irgendwie. Doch es gibt Begegnungen, die den Tag erheitern und die griechisch-türkischen Beziehungen vertiefen wie z.B. die mit schmerzwach oder Begegnungen aus dem Netz, die real vor einem stehen wie z.B. der Misteringreen.

Tag 5, Sonntag – Was an Energie noch übrig blieb und der Abbau von irgendwie allem

Bye_Bye_FrankfurtAm Sonntag war die fast verlorene Stimme von 2 Tage vorher wieder da, die Restenergie wurde über Nacht aufgeladen. Die Gedanken kreisten um VitaSprint B12 und warum man schon wieder vergessen hatte vorher sich jeden Tag so ein kleines Fläschchen zuzuführen. Es gab Momente, an denen man saß und die freundlichen Menschen, die Fragen zu den Büchern hatten, fragte, ob man auch einfach weiter sitzen bleiben kann, weil man einfach nicht mehr stehen könne. Verständnisvoll und lächelnd gaben sie ihre Zustimmung zur teilweise Sitz-Unterhaltung. So tolle Leser haben wir! Das soll an dieser Stelle auch mal gesagt sein!

Dann der Abschluss-Gong, den ich verpasst habe zu filmen. Und dann der Abbau, der schneller ging als der Aufbau. Und dann der Abschied, der immer schwerfällt.

Zusammenfassung

Es war schön. Begegnungen und Menschen, die wir nicht vergessen werden wie die wunderbare Kristine Listau. Nachbarn, die wir nie mehr missen möchten wie Jörg Sundermeier und die ganze Verbrecherbande. Junge Menschen, von denen wir alle ganz sicher noch sehr viel hören werden (und mit denen wir sehr viel gelacht haben – danke hierfür) wie Laura Sonnefeld, Ada und Demian (ich weiß nicht wie ihr weiter heißt), Caroline Merz, Nils Tiemann. Kollegen und Freunde, Leser und unsere wunderbare Gaye, die wir so sehr lieben, unser lieber Gerrit, der nicht nur so schöne Gedichte schreibt, sondern auch so großartig lesen kann, Benjamin Lauterbach, der für den neuen Instagram Kanal der Buchmesse so schöne Fotos gemacht hat (nur nicht von uns!) und noch so viele mehr.

Ich danke euch allen und Frankfurt, wir danken dir. Sollten wir nächstes Jahr wieder in Offenbach landen, nehmen wir Jogginghosen mit.

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